GUA Gesellschaft für Unternehmensanalyse e.V. - Dortmund

16. Deutscher Controlling Congress 17. Mai 2001

Controlling – The New Generation

Unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Reichmann, Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmensrechnung und Controlling an der Universität Dortmund und geschäftsführender Gesellschafter der Controlling Innovations Center (CIC) GmbH & Co. KG, fand in diesem Jahr zum 16. Mal der Deutsche Controlling Congress statt. Am 16. und 17. Mai tagten Referenten aus Wissenschaft und Praxis in Berlin, um in parallel laufenden Sequenzen interessante Vorträge zu aktuellen Controlling-Themen zu halten.  In seiner Eröffnungsrede wies Prof. Dr. Reichmann auf die zunehmende Bedeutung des  Controlling hin.  Diese sei vor allem auf Entwicklungen, die wesentlich mehr Auswertungsmöglichkeiten von Daten ermöglichen, zurückzuführen.

Im Rahmen des diesjährigen Congresses wurde der GfC-Förderpreis durch Prof. Dr. Reichmann (2.v.r.) sowie Regine Fröhling (1.v.r.) an Dipl.-Kfm. Mark Ebbeken (2.v.l.) und Dipl.-Kfm. Stefan Wehrmann (3.v.l.) verliehen. Mit im Bild Menno Harms (1.v.l.)

 Hierbei wurde im Rahmen des funktionalen Controlling vor allem das Data Warehouse und das On-Line Analytical Processing (OLAP), im Rahmen des strategischen Controlling die Balanced Scorecard sowie die Balanced Chance- and Risk-Card erwähnt. Ferner seien sowohl Tendenzen im Bereich des Wissensmanagements als auch der Logistik und des E-Commerce relevant.

Im ersten Vortrag, welcher bereits am Abend des 16. Mai gehalten wurde, legte Prof. Dr. Norbert Bolz den Schwerpunkt auf “Die Zukunft der interaktiven Medien und Netze”. Schlagworte wie Informations- oder Wissensgesellschaft aufgreifend charakterisierte er die derzeitigen Entwicklungen, indem (erstens) die Medien das Geschäft der Zukunft seien, (zweitens) die Kommunikation ins Zentrum der Produktivität rücke und sich (drittens) das Wissen als wichtigste Ressource unserer Gesellschaft erweise.  

Am zweiten Congress-Tag erfolgte die Begrüßung der Teilnehmer durch die Staatssekretärin von Berlin, Frau Meister-Scheufelen. Ihre Ansprache nahm sie dabei in erster Linie zum Anlass, um den Veränderungsprozess, in dem sich die Stadt befinde, in seinen wesentlichen Zügen kurz zu schildern. Dabei wurde insbesondere dem Versuch Rechnung getragen, seit mehreren Jahren eine stärkere Wettbewerbsorientierung in der Stadtverwaltung zu etablieren.

Der Referent des ersten Hauptvortrags war Menno Harms, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hewlett Packard Deutschland GmbH, welcher seine freie Rede den “ Informationssystemen zwischen Vision und Realität” widmete (die Rede ist auf den Folgeseiten ausführlich nachzulesen).

Im Anschluss daran folgten parallele Sequenzen mit Beiträgen zu jeweils unterschiedlichen Controlling-Aspekten. 

Die Sequenz “Value Based Controlling” wurde eröffnet und moderiert von Prof. Dr. Thomas Günther, Technische Universität Dresden. In seinem Vortrag mit dem Titel “Neue Systeme zur strategischen Analyse” ging er dabei sowohl auf den Unternehmenswert im Rahmen der strategischen Planung als auch auf die operative Umsetzung des Value Based Controlling ein. In diesem Zusammenhang wurde gezeigt, dass die Ausrichtung am Unternehmenswert zu einer gravierenden Umgestaltung des Controlling durch die Neuausrichtung aller Entscheidungen am Prinzip der Wertschaffung führe.

Mit dem Vortrag “Online-Controlling der Wertschöpfung in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie” setzte Lutz Tünschel, PSI AG, die Sequenz fort, indem er anhand eines Beispiels die praktische Umsetzung der Wertorientierung in einem Unternehmen darstellte. Ein damit einhergehender Erfolg hinge dabei immens davon ab, inwiefern die nötige Akzeptanz und damit verbunden das entscheidende “Umdenken in den Köpfen” realisiert werden könne.

Gabriele Jäger, ORACLE Deutschland GmbH, referierte schließlich über “Informationstechnische Lösungen für das strategische Management”. Auch dieser Beitrag stützte sich auf die Darstellung eines Praxisbeispiels, in diesem Fall die Implementierung einer Balanced Scorecard in einem Unternehmen der Telekommunikationsbranche. Es wurde gezeigt, dass eine adäquate Softwarelösung neben der Datenqualität und -aktualität auch eine Kommunikationsplattform für das gesamte Unternehmen gewährleiste.

Die Moderation der parallel laufenden Sequenz zum Thema “Knowledge Management” übernahm Prof. Dr. Peter Pawlowsky von der Technischen Universität Chemnitz. In seinem Beitrag “Wissen als strategische Ressource – der Ansatz des integrativen Wissensmanagements” ging er zunächst auf den sektoralen Wandel ein und stellte hierbei die Wissensanreicherung im Bereich klassischer Produkte heraus. Der Darstellung veränderter Konturen der Wertschöpfungsprozesse folgte eine Erläuterung der wichtigsten Ansatzpunkte zum praktischen Management der Ressource “Wissen”.

Die Schnittstelle von “Knowledge Management und Controlling” war Gegenstand des Vortrags von Christian Rose, Universität Dortmund, welcher in diesem Zusammenhang seinen Schwerpunkt auf den Konzeptvergleich und die –integration am Beispiel der Balanced Scorecard legte. Die grundsätzlich mögliche Integrationsfähigkeit fußte dabei auf der Begründung, dass in beiden Fällen der Erfolg vom Engagement, der Lernfreude, der Kommunikationsfähigkeit sowie dem Zielbewusstsein der Manager und Mitarbeiter abhinge.

Der abschließende Beitrag zu diesem Themenkomplex wurde von Stefan Dietlein, knowledgepark AG, bestritten. Im Zusammenhang mit einer Fallstudie stellte er ein “DV-gestütztes Knowledge Management” vor und zeigte, dass das Wissensmanagement ein Teil des Steuerungsinstrumentariums sei, insbesondere im Hinblick auf seine Notwendigkeit für die Überprüfung von Strategien hinsichtlich Inhalt und Umsetzung, für das Risikomanagement und für die Kommunikation des Unternehmenswertes.

Die dritte Vormittagssequenz mit dem Thema “e-Commerce und Logistik ” eröffnete Robert Rzepa, CIC COLLEG GmbH. Neben der Darstellung der “Grundlagen des e-Commerce” wandte er sich verstärkt der Problematik und den Herausforderungen im Rahmen des Internet-Gebrauchs zu. Während die technische Bestellung per Internet bereits weitestgehend unproblematisch sei, stellte er bzgl. der weitergehenden Geschäftsabwicklung jedoch noch einen erheblichen Entwicklungsbedarf heraus.

Im Anschluss daran widmete sich Michael Günther, Catalog-International A/S,  dem Bereich “e-Procurement – Beschaffung im e-Business Zeitalter”. Er formulierte das Ziel eines leistungs- und sofort einsatzfähigen B2B und präsentierte in diesem Zusammenhang das Ideal Design Center, das Ideal Procurement und das Ideal Value Network . Im Fokus stand die These, dass nur der gesamte Durchlauf durch das Enterprise Resource Planning (ERP) und die Geschäftsprozesse des Unternehmens im Internet den gewünschten Erfolg bringe.

Schließlich referierte Ansgar Kückes, UBIS GmbH, über “Elektronische Marktplätze – die digitalen Handelsplätze von morgen”. Durch E-Commerce komme es zu neuen Formen der Geschäftsabwicklung, u.a. zur Eliminierung zwischengelagerter Stufen und dem Eintritt neuer Intermediäre wie Portale, Marktplätze oder Communities. Weiterhin wurde auf die Transkaktionsmechanismen der B2B-Marktplätze eingegangen. Alle drei Redner dieser Sequenz stellten die Aussage deutlich in den Fokus, dass e-Commerce nicht nur ein Portal oder eine Website, sondern eine ganzheitliche Betrachtung aller Geschäftsprozesse bedeute.

Den zweiten Hauptvortrag des Tages hielt Jürgen Samuel, Director Consulting der ORACLE Deutschland GmbH. Unter dem Titel “e-Business Solutions – Die Zukunft neuer Geschäftsmodelle” stellte er folgende sechs Thesen vor, die im Rahmen eines erfolgreichen E-Business-Modells zu beachten und umzusetzen seien: “Customer matters! Technology matters! People matters! Organisation matters! Profit matters! Controlling matters!” Dem Controlling komme im Zuge dessen die Aufgabe einer ganzheitlichen und vorausschauenden Führungsunterstützung zu.

Die Nachmittagssequenz mit der Überschrift “Führungsinformationssysteme: Die neue Generation” wurde von Prof. Dr. Rainer Thome, Universität Würzburg, moderiert. In einer interessanten und zugleich heiteren Darstellung zeigte er mit seinem Vortrag zum Thema “Neue Generationen der Führungsinformationssysteme” die historische Entwicklung von Managementinformationssystemen (MIS) über Enterprise Information Systems (EIS) bis hin zu Business Intelligence (BI) und damit verbunden das Data Warehouse. Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung betonte er, dass die Ausführung “klassischer” Controlling-Aufgaben wie die Datensammlung u.ä. den verfügbaren Möglichkeiten entsprechend weitestgehend automatisiert werden solle, während sich sodann seitens des Controlling verstärkt eine strategische Orientierung einstellen müsse.

Im Rahmen ihres Vortrags mit dem Titel “Moderne Konzerninformationssysteme und Anforderungen an die Controllingorganisation” führten Thomas Richterich, Babcock Borsig AG und Enrik Schiller, Arthur Andersen, die Neustrukturierung der Babcock Borsig AG vor. Dabei gingen sie auf die Vereinheitlichung von Unternehmensprozessen in 156 Einzelgesellschaften ein. Durch die “online” dargestellte Standardbasis sei das Kommunizieren in der großen Community möglich, alle Gesellschaften, die Zugang zu diesem Netz haben, stehe die gleiche Datenbasis zur Verfügung. Für den Controller bedeute das u.a. einen flexiblen Umgang mit Daten und die Erstellung von Analysen in kürzester Zeit.

Abgerundet wurde diese Sequenz von Ulrich Hüllmann, Controlling Innovations Center (CIC) GmbH & Co. KG, mit seinem Beitrag zum Thema “Webbased Controlling”. Die Schwerpunkte wurden hier vor allem auf die Anforderungen an ein webbased Controllingsystem und seinen Aufbau sowie auf beispielhafte Anwendungsbereiche gelegt. Die wesentlichen Vorzüge eines solchen Systems bestünden dabei in der durch eine Verkürzung der Prozessdurchlaufzeit erhöhten Produktivität der einzelnen Entscheidungsträger.

Sichere Datennetze – Voraussetzung für ein effizientes Controlling” lautete die Überschrift der zweiten Nachmittagssequenz, die von René Scheer, IHK GfI Dortmund moderiert wurde. In seinem eröffnenden Vortrag “Sicherheit im internetgestützten Geschäftsverkehr” ging er u.a. auf das Signaturgesetz und weiterhin auf die Projekte “Ursprungszeugnisse” bzw. “Berufsausbildungsverträge” ein. Er zeigte, dass man dank Verschlüsselung und elektronischer Signierung Rechtsgeschäfte elektronisch abwickeln und kontrollieren könne. E-Commerce bekomme dabei durch die neue Gesetzeslage einen enormen Auftrieb.

Der sich anschließende Vortrag von Volker Leyens, Ecofis GmbH, trug den Titel “IT-Sicherheit beginnt im Kopf – Konsequenzen aus 2000” und begann mit der Darstellung “A short history of hacking”, im Rahmen derer die massive Verdichtung der Angriffe auf Datennetze im Verlauf der letzten dreißig Jahre unmittelbar ersichtlich wurde. Nach der Schilderung der Ursachen und Konsequenzen dieser Verdichtung wurden Lösungsansätze präsentiert, in deren Mittelpunkt die Entwicklung hin zu einem wesentlich verantwortungsvollerem Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie die Einhaltung von Sicherheitsvorgaben seitens aller IT-Nutzer stand.

Zum Abschluss dieser Sequenz referierte Frank Siemens, NK Networks & Services GmbH, über “e-Security – Rechtsverbindliche Geschäfte über das Netz”. Er erklärte, dass die Vermeidung der Manipulation von Daten im Internet und die Identifikation von Sender und Empfänger einer Nachricht durch die digitale Signatur ermöglicht werde. Durch die Verschlüsselung würden Beweisqualität und Vertraulichkeit erreicht.  

Die dritte parallel laufende Nachmittagssequenz wurde durch Ralph Gattinger von der Cognos GmbH eingeleitet. In seinem Vortrag zum Thema “Zeitnahes Reporting schafft Basis für die Ressourcensteuerung” zeigte er, dass die Herausforderungen für Unternehmen vor allem im beschleunigtem Wachstum bestünden, was durch den Ausspruch “der Schnelle frisst den Langsamen” zum Ausdruck komme. Im Rahmen der effizienten Koordination der Ressourcen stellte er eine Lösungsarchitektur vor, die diesbezüglich die geeigneten drill-down-Funktionalitäten bereit stellt.

Im Workshop “Einführung Kosten- und Erfolgscontrolling: “Ein Praxisbeispiel”, welcher unter der Leitung von Dr. Dietmar Schön, CIC GmbH und Beat Stark, Psipenta GmbH statt fand, konnten die Teilnehmer die einzelnen Schritte bei der Einführung einer neuen Kostenrechnung verfolgen. Dies beinhaltete neben der Auswahl der Software auch das Projektmanagement, die Zielplanung, die Ist-Analyse, den Zielabgleich sowie das Sollkonzept und die DV-Implementierung.